Wie ein zweites Zuhause

Ältere Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause leben. Die Spitex tut alles, damit dies auch lange möglich ist. Doch auch wenn es alleine nicht mehr geht, es gibt immer Alternativen zum Pflegeheim. Wir stellen Ihnen drei Wohnformen vor, in denen man sich sehr zu Hause fühlen kann.

Siders (VS) –Reihenweise Vorteile in den Domino-Wohnungen

Die Altersresidenz Domino in Siders bietet schon seit den 90er Jahren eine attraktive Alternative zum Altersheim. Es sind Gemeinschaftswohnungen, die nach den Bedürfnissen älterer Menschen gestaltet und renoviert wurden. Isabelle Pralong-Voide, stellvertretende Direktorin des sozialmedizinischen Zentrums Sierre (SMZ), ist für das Domino-Projekt verantwortlich: «Die Idee für die Gemeinschaftswohnungen entstand in erster Linie durch Beobachtungen unseres Pflege- und Betreuungspersonals», erklärt sie. In Domino-Apartments wohnen vier bis fünf Personen zusammen in einer ergonomisch angepassten Wohnung und teilen sich die Miete. Jede Person hat ein eigenes Schlafzimmer oder sogar ein eigenes Studio, Wohnzimmer oder Küche werden gemeinsam bewohnt. «Es handelt sich dabei nicht um eine Zwischenlösung zwischen Heim und Spitex, sondern bietet älteren Menschen, die keine 24-Stunden-Pflege benötigen, eine echte Alternative zum Heim. Die Wohnung befindet sich in einem zentrumsnahen und gut ausgestatteten Wohngebäude, in dem auch jüngere Mieter wohnen. Wir bieten kein Rahmenprogramm an, denn in der Gemeinschaftswohnung können ältere Menschen ihr Netzwerk erhalten und pflegen und sind weniger isoliert.»

Die Bewohner einer Domino-Wohnung profitieren von der Gesellschaft ihrer Mitbewohner, was für Isabelle Pralong-Voide gleich mehrere Vorteile hat: Es wird oft gemeinsam gegessen und man unterstützt einander: Das sind alltägliche Dinge, welche die Lebensqualität verbessern. Ausserdem geben die Mitbewohner aufeinander acht und können bei Bedarf Hilfe anfordern. Die Spitex-Fachpersonen sparen bei ihren Besuchen Zeit und die Klienten sparen Geld, da sich die Mitbewohner an gemeinsamen Spitex-Leistungen wie zum Beispiel Hauswirtschaftliche und Sozialbetreuerische Dienstleistungen oder Mahlzeitendienst finanziell beteiligen. Spitex-Leistungen für individuelle Bedürfnisse werden separat in Rechnung gestellt. «Das Konzept der Domino-Wohnungen wurden in den Gesundheitsplan integriert. Dadurch sind solche Wohnungen nun im ganzen Kanton entstanden», freut sich Isabelle Pralong-Voide.

Miete: zwischen 500 und 1200 Franken pro Monat

Genf - Wohnen auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt

Für Florence Moine, Direktorin für Wohnen und Autonomie bei der Imad in Genf, ist das begleitete Wohnen für ältere Menschen (IEPA) eine wahre Besonderheit am Genfersee. Seit den 1970er Jahren wurden in 23 Wohnhäusern mehr als 900 solcher Wohnungen eingerichtet, die meisten davon werden finanziell subventioniert (HLM-Wohnungen). Die Wohnungen müssen den Bestimmungen des kantonalen Gesetzes RSDom genügen, welches im Kanton Genf die Arbeit der Spitex regelt. Sie werden durch die Imad betrieben und sind an Menschen mit eingeschränkter Mobilität angepasst. Jedes Zimmer verfügt über einen Alarmknopf und das Gebäude ist permanent überwacht, um im Bedarfsfall auch nachts schnell reagieren zu können. Jeder Bewohner mietet sich seine eigene Wohnung, in der Regel eine Dreizimmerwohnung von etwa sechzig Quadratmetern. In den Gemeinschaftsräumen haben Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit für gemeinsame Aktivitäten oder Mahlzeiten. «Die Wohnungen des Projekts «Wohnen für ältere Menschen» unterstützen Menschen in ihrer Autonomie und in ihrer Sicherheit. Es werden aber auch weitere, optionale Dienste angeboten: Mahlzeiten, aber auch Aktivitäten innerhalb und ausserhalb des Gebäudes. Am Nachmittag findet oft ein Unterhaltungsprogramm statt, manchmal in Partnerschaft mit Schulen oder Krippen», erklärt Florence Moine. Seit kurzem gibt es auch Gymnastikkurse und digitale Spiele auf dem Tablet, durch welche die Bewohner der verschiedenen Wohnhäuser miteinander in Verbindung treten können.

Alle diese Leistungen werden von Mitarbeitenden der Imad erbracht, sei es für die Begleitung beim Unterhaltungsprogramm, für die Betreuung in der Nacht aber auch für administrative Aufgaben wie die Erledigung der Post oder das Ausfüllen der Steuererklärungen. Die Imad hat viel in diese Wohnform investiert und berät den Kanton Genf in allen Fragen rund um das begleitete Wohnen für ältere Menschen. Bei den neuen Projekten ist es ihre Aufgabe, die Projektleiter zu begleiten und zu beraten. «So können wir sicherstellen, dass die Wohnung den Bedürfnissen der zukünftigen Mieter entspricht. Die Duschen sind begehbar und die Küchen erfüllen die ergonomischen Standards für ältere Menschen», erklärt Florence Moine. Jährlich entstehen zwischen drei und vier neue Wohnhäuser für begleitetes Wohnen. «In drei Jahren werden in Genf schätzungsweise 2000 solche Wohnungen zur Verfügung stehen» betont die Direktorin und fügt an, dass diese Wohnungen seit 2017 nicht mehr nur als subventionierter Wohnraum (HLM) gelten.

Miete: maximal 1700 pro Monat

Vorderthal, (SZ): Eine Grossfamilie, die lebt!

Seit Juni 2017 hat auch der Kanton Schwyz eine Pflegewohngruppe für ältere Menschen, ein bisher einzigartiges Projekt, das im Kanton als Vorbild dient. Die Pflegewohngruppe Pöstli in Vorderthal folgt dem Prinzip einer Grossfamilie: Jede Bewohnerin und jeder Bewohner im Pöstli hat ein eigenes Zimmer, welches mit eigenen Möbel möbliert werden darf. WC und Bad teilt man sich mit anderen Bewohnern. Laut Marie-Theres Ziegler, Leiterin der Pflegewohngruppe, stellt dies überhaupt kein Problem dar, im Gegenteil: «Wir leben hier bewusst das Miteinander und alle nehmen automatisch Rücksicht. Und die grossen, rollstuhlgängigen Bäder sind für die Pflege idealer als ein kleines Bad im Zimmer.» Bis zu 12 Personen können in der WG leben, derzeit sind acht Zimmer vergeben. Marie-Theres Ziegler und ihr Team versuchen stets, die Ressourcen ihrer WG-Bewohnerinnen und Bewohner zu erkennen, zu erhalten und zu fördern. Sie können mithelfen bei der Hausarbeit, müssen aber nicht. Wer gerne gärtnert, kann dies im eigenen Garten tun. Die Selbstbestimmtheit der älteren Menschen ist ein wichtiger Bestandteil des WG-Lebens. Wie in einer Grossfamilie wird gemeinsam gekocht und gegessen. Auch ein Zimmer für Kurzaufenthalter steht zu Verfügung. Dank freiwilligen Helfern werden regelmässig Spaziergänge organisiert und wer in den Gottesdienst will, wird von der Kirchgemeinde abgeholt.

Die Pflege-WG ist 24 Stunden mit Pflegefachpersonen besetzt und kann dank der hohen Spezialisierung der Pflegefachkräfte auch Menschen auf höchster Pflegestufe betreuen, die Bewohner dürfen also bis zu ihrem Lebensende bleiben. Entstanden ist die Idee zur Pflegewohngruppe im Vorstand der Spitex Obermarch: «Es braucht neue, finanzierbare Wohnformen. Ältere Menschen sind heutzutage sehr selbstbestimmt, sie wollen mitreden und mithelfen. Dieser familiäre Rahmen spricht viele an» erzählt Sibylle Ochsner, Geschäftsführerin Spitex Obermarch. Sie ist überzeugt, dass die Grenzen zwischen Ambulant und Stationär zunehmend fliessend sind und solche kleinen Einheiten im familiären Rahmen einen volkswirtschaftlichen Nutzen haben. «Es funktioniert auch betriebswirtschaftlich, bei guter Auslastung sind unsere Kosten gedeckt, auch weil die Bewohnerinnen und Bewohner im Haushalt mithelfen.» Die Geschäftsleitung der Pflegewohngruppe teilt sich Sibylle Ochsner mit Vreny Risi, Zentrumsleiterin Wohn- und Pflegezentrum Stockberg in Siebnen. Eine ambulant-stationäre Zusammenarbeit, für die eine gemeinsame GmbH gegründet wurde: «Die leben pflegen March GmbH könnte durchaus noch weitere Pflegewohngruppen bilden», ist Vreny Risi überzeugt.

Pensions- und Betreuungstaxe : 147 Franken pro Tag, plus maximal 21.60 Franken pro Tag als Bewohneranteil für die Pflege.